Roter Stern Leipzig – Ein Verein, seine Geschichte und Gegenwart

Montag
21
Juni

18 Uhr 30

Von einer handvoll alternativer Jugendlicher im Jahr 1999 gegründet, entwickelte sich der Rote Stern Leipzig (RSL) bis heute zu einem Verein mit mehreren hundert Mitgliedern, Teams vom Bambini- bis zum Alte Herren-Alter und einer großen Anhänger_innenschaft, die bei besonderen Spielen schon mal zahlenmäßig die 1000er-Grenze überschreitet.
Damals wie heute wollten und wollen die Aktiven in einem Umfeld Fußball spielen, dass bewusst „anders“ ist, als im „deutschen 0815-Sportverein“.
Gemäß unserem Selbstverständnis ist der RSL ein antifaschistisches Sportprojekt. Der Verein organisiert sich selbstbestimmt, hierarchiefrei und basisdemokratisch. Alle Entscheidungen werden in einem offenen Plenum gefällt. Der RSL richtet sich gegen jegliche Form der Diskriminierung, wie Rassismus, Sexismus, Antisemitismus und Homophobie. Ziel unseres Vereins ist es dabei, innerhalb und außerhalb unserer Strukturen ein Problembewusstsein zu schaffen, welches diskriminierende Äußerungen und gewalttätiges Verhalten thematisiert und so ein aktives Handeln gegen jegliche Form von Diskriminierung ermöglicht.
Diese Haltung brachte uns nicht nur Freunde: Mit dem Aufstieg in die Bezirksklasse Leipzig im Jahr 2009 verlassen wir für unsere Auswärtsspiele erstmals das Leipziger Stadtgebiet und spielen in Orten wie Oschatz, Brandis, Schildau und Mügeln. Bei nahezu jedem Auswärtsspiel begrüß(t)en uns vor Ort mal mehr, mal weniger Neonazis und eine entsprechende Anzahl an Staatsdiener_innen. Nicht so in Brandis. Am 24.10.2009 fand die Entwicklung ihren vorläufigen Höhepunkt, als ca. 50 bewaffnete Neonazis Fans, Spieler und Offizielle unseres Vereins angriffen und mehrere Menschen zum Teil schwer verletzten. Bis heute wurden bereits drei der Täter zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, weitere Prozesse stehen in naher Zukunft an. Doch nicht nur (versuchte) körperliche Übergriffe sind an der Tagesordnung. In Mügeln wurde das Spiel aufgrund andauernder antisemitischer, nazistischer, nationalistischer und homophober Gesänge schließlich abgebrochen. In Schildau prügelten sich die Neonazis mit der Polizei, die sie daran hinderte, nach Abpfiff in unseren Fanblock zu gelangen. Wir spielen unsere Spiele mittlerweile unter dem Schutz von Polizei-Hundertschaften. Realität in der 8. Liga in Sachsen.

Was also tun? Wie damit umgehen, dass wir Angriffsziel von Neonazis sind? Damit, dass wir beschimpft werden und wegen unserer Haltung als Ursache der „Probleme“ gesehen werden? Damit, bundesweite Presse zu haben? Wie reagieren andere Vereine und die Verbände?

Roter Stern Leipzig – Ein Verein, seine Geschichte und Gegenwart. Seine Zukunft?

21. Juni 2010

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