Infoveranstaltung „Pogrom 91“

Donnerstag
20
September

Beginn: 19:00 Uhr

Die rassistischen, pogromartigen Überfälle im September 1991 in Hoyerswerda dauerten über eine Woche an und bildeten nur den traurigen Startpunkt einer ganzen Reihe von rassistischen Gewalttaten im jüngst wiedervereinten Deutschland. Dabei blieb es nicht nur in Ostdeutschland sondern auch vor den alten Bundesländern machte der aufkommende Nationalismus nicht halt. Die extreme Rechte erhielt starken Zulauf und fühlte sich dank des kollektiven, nationalen Freudentaumels bestärkt insbesondere gegen Menschen mit Migrationshintergrund, AsylbewerberInnen aber auch politsch Andersdenkende gewalttätig vorzugehen.

Dass es dabei gerade in den Gebieten der ehemaligen DDR zu solch abscheulichen Taten gekommen ist wenig verwunderlich. Zwar wurde stets betont wie antifaschistisch und solidarisch mit den VertragsarbeiterInnen man sei, doch die alltägliche Realität sah anders aus. Das Leben der VertragsarbeiterInnen war geprägt von rassistischen Diskriminierungen sowohl am Arbeitsplatz, als auch im – wenn auch kaum vorhandenen – öffentlichen Leben. Diese äusserten sich in verbalen Angriffen, die komplette Isolierung in Wohnheimen, teilweise sogar mit Ausgangsverbot bis hin zu körperlichen Angriffen, wobei sich die VertragsarbeiterInnnen nicht mal auf die Hilfe der Polizei berufen konnten. Diese Stimmung bereitete, beflügelt vom grassierenden Nationalismus des deutschen Mobs, den ersten Pogrom auf deutschem Boden seit dem 2. Weltkrieg vor. Die Polizei war unfähig die tobende Meute zurück zu halten und schliesslich mussten alle AsylbewerberInnen und ehemalige VertragsarbeiterInnen evakuiert werden.

Doch da die Deutschen sich mit Schuldbekenntnissen etwas schwer tun, geht die traurige Geschichte weiter. Es gibt keine kritische Auseinandersetzung seitens der Stadt zu den Vorfällen. Bei Nachfragen von der Presse, z.B. von der Jungle World, wird abgeblockt. Der damalige Sprecher des Bürgermeisters und jetzige Bürgermeister Skora: “Wenn Ausländer nicht in Hoyerswerda wohnen wollen, dann ist das doch ihre freie Entscheidung.” Dabei zeigt sich auch ganz klar, dass hier eine Art Schuldabwehr und Schuldumkehr passiert. Bürger und Stadt sehen sich als die eigentlichen Opfer von ’91. Das trotzige Schweigen oder verkrampfte Hinweisen “man solle doch mal über was positives berichten”, zeigt ganz klar dass man sich insgeheim einer Schuld bewusst ist, diese aber durch fehlende Aufarbeitung versucht zu verdrängen.
Jetzt, 21 Jahre später, hat sich immer noch nicht viel geändert. Es gibt keine AsylbewerberInnen in Hoyerswerda, kein multikulturelles Leben, Jugendliche haben kaum Perspektive und die Stele die vor 6 Jahren “in Gedanken an die extremistischen Übergriffe 1991″ errichtet wurde ist irgendwie bei Bauarbeiten verschütt gegangen…
Die Initiative “Pogrom 91″ ruft auch in diesem Jahr wieder zu einer Demo am 22.9. um 14 Uhr am Hoyerswerdaer Bahnhof auf. In diesem Jahr unterstützt durch die Kampagne „Rassismus tötet!“
Anschliessend Kneipe!

20. September 2012

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