Daniel Kulla: Leben im Rausch – Evolution, Geschichte, Aufstand

Freitag
26
April

Einlass: 21:00 Uhr
http://www.classless.org/kontakt/leben-im-rausch/

Das Wort “Rausch” beschreibt einen Wahrnehmungsüberhang, etwas, das den Sinnen meist diffus und unscharf hinzutritt, das sinnliche Erleben verstärkt, erweitert, verwirrt; in dem sich der Verstand verlieren und verlaufen kann. Im Kapitalismus verengt sich all dies auf die Frage nach den Mitteln, mit denen sich bestimmte Rauschzustände herbeiführen lassen, als Waren, die produziert, vertrieben und konsumiert werden können: Es soll gleichzeitig so viel wie möglich aus den Menschen herausgeholt und so viel wie möglich in sie hineingesteckt werden, und diejenigen, aus denen nicht genug rauskommt und in die nicht genug hineingeht, sollen bei der ganzen Prozedur nicht stören.

Der Vortrag behandelt die Geschichte der beiden großen globalen Verbotswellen der letzten reichlich 100 Jahre, die den heutigen Zustand zwischen vergeblicher Jagd nach nüchterner Zurechnungsfähigkeit, Betäubung mit Hang zur Selbstzerstörung und unbefriedigendem Gewohnheitsgebrauch immer noch prägen. Für alle, die sich angesichts dieser Lage dennoch dem Projekt von bewußt herbeigeführtem oder zugelassenem Rausch und einer bedürfnisorientierten Produktionsweise widmen wollen, sollte es sich nicht ausschließen, sich vom allgemeinen Dauerrausch auszunüchtern und die kritische Vernunft behutsam zu berauschen. Wie das praktisch auszusehen hätte, kann nach dem Vortrag diskutiert werden.

Eine Veranstaltung der Braunschweiger Falken
http://falken-bs.de/

Zum Autor:
Daniel Kulla (* 1977 in Blankenburg (Harz)) ist ein deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Lektor und Musiker. Er wuchs in Thale auf, wohnte nach seinem Zivildienst in Dresden und lebt heute in Berlin.
Er versammelte andere Autoren zu literarischen Remix-Projekten, die er zunächst im Selbstverlag (Systemausfall ’90 Verlag) veröffentlichte, bis er 2001 Lektor und Autor bei Werner Pieper wurde. Kulla verfasste die biografische Darstellung Der Phrasenprüfer über den CCC-Mitbegründer Wau Holland. In seinem 2007 erschienenen Buch Entschwörungstheorie beschäftigt sich Daniel Kulla mit Geschichte und Gefährlichkeit ideologischen Verschwörungsdenkens („Konspirationismus“), das er von „spielerischen“ Verschwörungstheorien mit offenen Fragestellungen unterscheidet. Für Kulla kommt die „Verschwörungsideologie […] aus der Mitte der Gesellschaft. Sie knüpft an den Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus der Mehrheitsgesellschaft an – und spitzt diese lediglich zu.“
Im Jahr 2000 war er Chefredakteur der sächsischen Jugendzeitschrift SPIESSER. Er schreibt unregelmäßig für die Wochenzeitung Jungle World, verfasste ein Buch über die Berliner Elektropunk-Band Egotronic zusammen mit deren Sänger Torsun und hält Vorträge und Lesungen zu den Themen „Entschwörungstheorie“, „Der kommende Aufstand“ und Rausch.

26. April 2013

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.